Wer Anfang Juli versuchte, die europäische oder deutsche Ingram-Micro-Seite aufzurufen, bekam lediglich Fehlermeldungen oder Hinweise auf Wartungsarbeiten zu sehen. Auch interne Systeme und Portale waren teilweise nicht mehr erreichbar.
Was zunächst wie ein technischer Schluckauf wirkte, stellte sich bald als ernsthafter Vorfall heraus:
Am 5. Juli 2025 veröffentlichte Ingram Micro auf seinen US-Seiten eine offizielle Erklärung. Darin heißt es:
„Ingram Micro hat vor Kurzem Ransomware auf einigen internen Systemen festgestellt. Wir haben sofort Maßnahmen zur Schadensbegrenzung eingeleitet und arbeiten mit externen Experten sowie Behörden zusammen.“
Zielgerichteter Angriff über VPN
Wie das Tech-Magazin Bleeping Computer berichtet, nutzten die Angreifer offenbar den GlobalProtect VPN-Zugang, um sich Zugriff auf interne Systeme zu verschaffen. Allerdings: Nicht die Technik selbst war das Problem – sondern kompromittierte Zugangsdaten.
Betroffen waren unter anderem:
die Xvantage™-Vertriebsplattform,
das Impulse-Portal zur Lizenzbereitstellung
sowie interne Bestell- und Verwaltungsprozesse in mehreren Regionen.
Dienste wie Microsoft 365, Teams oder SharePoint blieben laut Unternehmensangaben dagegen funktionsfähig.
SafePay-Ransomware im Spiel
Laut übereinstimmenden Quellen steckt die Gruppe SafePay hinter dem Angriff. Diese setzt auf sogenannte Double-Extortion-Strategien: Erst werden Daten verschlüsselt, dann drohen die Angreifer zusätzlich mit Veröffentlichung sensibler Informationen. Ob tatsächlich Daten abgeflossen sind, ist aktuell unklar – das Unternehmen hat keinen Datenabfluss bestätigt.
Globale Auswirkungen – auch für deutsche IT-Partner
Ingram Micro ist für viele IT-Dienstleister, Systemhäuser und MSPs ein zentraler Partner – nicht nur für Hardwarebeschaffung, sondern auch für Cloud-Lizenzierung. Ein Leser brachte es treffend auf den Punkt:
„Ingram ist bei vielen Partnern Lizenzlieferant mit Global Admin-Rechten in den M365-Tenants. Das könnte richtig böse enden, wenn man das weiterspinnt.“
Auch die Tatsache, dass viele Kunden über Ingram Micro Microsoft-Cloudlizenzen beziehen, macht die Sache brisant: Ohne Zugriff auf die Portale fehlt es teilweise an Übersicht – oder sogar an administrativer Kontrolle.
Jetzt Awareness-Schulung buchen